Lust auf eine Lesung?

In Linz am Rhein, zwischen Bonn und Koblenz, findet am 14. und 15.Oktober der traditionelle Kunsthandwerkermarkt statt. Und am 14.10.ab 18 Uhr wird Linz noch bunter, denn sie wird ausgeleuchtet: Linz leuchtet.

Viele Veranstaltungen machen das bunte Treiben noch bunter, unter anderem liest Susanna M. Farkas im Café Kitsch aus ihren Büchern. Ein Besuch lohnt sich!

 

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Johannes Sieben

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Blogbeitrag: Der kleine, grüne Koffer auf Reisen - Teil 1 - 03.02.2016

Ich packe in meinen kleinen, grünen Koffer….

….einen Flughafen. Der von Montpellier ist sehr überschaubar, nicht allzu groß. Böse Zungen könnten ihn sogar als winzig bezeichnen, aber da ich nicht zu diesen zähle, wage ich es nicht mir eine solche Bemerkung anzumaßen. Obwohl ich durch die Tür gegangen bin, auf der groß „Arrivées“ steht, kann ich die Gepäckabgabe bereits kurz nach dem Eintreten erkennen. Ich muss nur ein paar hundert Meter weit gehen – vorbei an angeregt diskutierenden Passagieren, gestressten Stewardessen, die versuchen ihr perfektes Lächeln zu bewahren und leeren Airline-Schaltern, die niemanden zu interessieren scheinen. Kurz bleibe ich, an eine Wand gelehnt stehen, um meine Schuhe zu wechseln. Die ausgetreten Ballerinas habe ich nur zum Autofahren angezogen. Deren Sohlen haben an mehreren Stellen leichte Risse. Dabei habe ich seit geraumer Zeit keinen Billigschuhladen mehr betreten. Das vermeidet vor allem Müll und ist auf Dauer bestimmt rentabler. Ganz kurz spiele ich mit dem Gedanken sie in den nächsten Mülleimer zu werfen, entscheide mich aber dann doch guten Gewissens für den Schuster. Nicht hier, nicht jetzt sofort. Das war auch ziemlich naiv von dir zu glauben auf dem Flughafen von Montpellier gebe es jemanden, der sich tatsächlich einen Schuster nennen kann. Ich packe in meinen kleinen, grünen Koffer… zerlatschte Ballerinas.

Kurz darauf in einem Paar dieser modischen Sneakers mit Keilabsatz (falls die drei Jahre, nachdem ich sie zum ersten Mal gesehen habe noch in Mode sind, was mich auch eigentlich keineswegs interessiert), stapfe ich auf eine Dame in Uniform zu. Diese sitzt hinter der Absperrung, die man durchqueren muss, um zur Gepäckabgabe zu kommen. Auf dem Weg dorthin begegne ich diesmal mehreren Soldaten in Dreieck-Formation (was, da sie drei sind wohl eher Zufall ist). Passend zum Ausnahmezustand aufgrund der Terroranschläge tragen sie Maschinengewehre. In Paris begegnet man - vor allem in Einkaufszentren - bewaffneten, uniformierten Männern seit Jahren – vielleicht sogar seit jeher – ich kenne sie zumindest seitdem ich vor fünf Jahren nach Frankreich gezogen bin. Vertraut damit fühle ich mich jedoch immer noch nicht. Es fühlt sich weiterhin seltsam an, eine so gefährliche Waffe direkt vor der Nase zu haben.

Die uniformierte Dame, deren Uniform gewiss nichts mit der der Soldaten gemein hat, betrachtet lächelnd mein Ticket. „Ich darf schon diesen kleinen, grünen Koffer abgeben, oder?“, frage ich, mit dem Kinn auf diesen deutend. „Das kommt auf Ihr Ticket an.“, entgegnet die Dame, die mittlerweile zu lächeln aufgehört hat. Sie tippt schnell auf einige Tasten. Dabei hält sie den Blick auf den Bildschirm gerichtet. „Wenn Sie den Koffer abgeben wollen, müssen Sie 30 Euro zahlen.“, verratet sie mir schließlich. 30 Euro? Für einen so kleinen, so grünen Koffer? Meine Augen weiten sich vor Schreck. Ich bezahlt doch keine 30 Euro, wo ich für das Ticket schon über 200 Euro… „… Sie können ihn natürlich auch mit in die Kabine nehmen.“, fährt die uniformierte Dame fort. Die Kabine? „Ist der dafür nicht viel zu groß?“, zweifle ich ihre Worte an. In dieses rechteckige Etwas, mithilfe dessen man die Handgepäckgröße prüfen kann, passt er ganz gewiss nicht. „Er darf nur nicht schwerer als 10 Kilo sein.“, antwortet mir die uniformierte Dame und wendet sich dann auch schon den nächsten Kunden zu.

10 Kilo? Woher soll ich denn wissen wie schwer der kleine, grüne Koffer ist? Das ist natürlich eine durchaus blöde Frage. Jeder mitdenkende Passagier hätte seinen kleinen, grünen Koffer doch gewiss vor dem Verlassen des Hauses auf eine Waage gestellt. Ich habe es vor dem Verlassen des Hauses nicht einmal als wichtig erachtet die Ticket-Konditionen durchzulesen. Natürlich war das nicht besonders klug. Und so ärgere ich mich über mich selbst, als ich den kleinen, grünen Koffer hinter mir her, durch das Labyrinth der Absperrungsbänder ziehe. Eine Waage hätten die dort, bei der Gepäckabgabe. Und dort würde dann entschieden werden ob der Koffer nun mitkommen dürfe, an den heißgeliebten Ort „Kabine“, oder nicht. Zehn Kilo? Mehr? Weniger? Unauffällig hebe ich ihn hoch und stelle ihn sogleich wieder ab. Danach bin ich auch nicht schlauer als vorher. Ich betrachte ihn nochmal von oben bis unten. Der kann doch nicht mehr als 10 Kilo wiegen?

Der junge Mann vor mir, mit Gitarrenkoffer am Rücken, ist nun an der Reihe sein Gepäck abzugeben. Meine Sneakers berühren den Strich am Boden, der den Sicherheitsabstand anzeigt. Und wenn der Koffer mehr wiegt als zehn Kilo, bezahle ich eben die verdammten 30 Euro – denke ich und halte Ausschau nach einer freundlich aussehenden Schalterfrau. Sekunden später deutet mir eine, sympathisch wirkende Angestellte, näher zu kommen. So nett, wie die lächelt, lässt sie mich sicher auch einen 10.5 Kilo schweren Koffer mit in die Kabine nehmen, oder vielleicht sogar 10.6… „Stellen Sie den Koffer bitte auf die Waage.“, meint sie kurz darauf forsch, meinen Pass betrachtend. „Schwerer als 10 Kilo darf er natürlich nicht sein…“, sagt sie streng, während ich tue wie mir geheißen. Und dann kommt auch schon der Moment der Wahrheit…. 9.5. Ich atme hörbar auf, als die Anzeigetafel der Waage plötzlich zu schwanken beginnt… 9.4…. 9.6…. Die uniformierte Schalterdame kneift ihre Brauen zusammen. 9.9. Und da bleibt sie dann stehen, bei 9,9 Kilo. 9,9. Ich lache leise auf. Das Gesicht meines Gegenübers, das in Wahrheit bestimmt die ganze Zeit über entspannt war, entspannt sich. „Perfekt. Gut kalkuliert.“ Natürlich. Lächelnd verschwinden der kleine, grüne Koffer und ich in den gigantischen Weiten der Halle des leicht überschaubaren Flughafens.

Ich packe in meinen kleinen, grünen Koffer… ein Abschminke-Produkt. Viel zu groß natürlich, viel zu voll. Geplant war schließlich, dass der Koffer und ich uns trennen und erst in Wien wieder zu einander finden. Wie ist nochmal diese Flüssigkeiten-Regelung? 150ml? Pro Dose oder insgesamt? Und wenn in einer Dose 250ml Platz finden, 100ml aber schon verbraucht wurden – gilt das dann trotzdem als 250 oder als 150ml? Man könnte die Verpackung schließlich mit giftigen Gasen auffüllen. Meine Cremes passen alle in das Plastiksäckchen, das die nächste uniformierte Dame mir reicht – nur dieses riesige Abschminkprodukt, das würde nicht einmal zur Hälfte in das winzige Säckchen passen. Und dabei schminke ich mich eh so selten - warum habe ich das denn überhaupt eingepackt? „Darf ich kurz diese Flüssigkeit da untersuchen?“, fragt die Dame höflich, jedoch mit leicht strengem Gesichtsausdruck. „Aber natürlich, aber natürlich, sehr gerne dürfen Sie diese Flüssigkeit untersuchen.“, entgegne ich strahlend, als ob ich schon den ganzen Tag über auf die Untersuchung der Flüssigkeit gewartet hätte. Wer weiß, vielleicht trägt das Lächeln der Passagiere zur Bewertung der Flüssigkeit bei. Ich lege meinen Gürtel zusammen mit der Jacke in einen der rechteckigen Behälter, die mit dem Laufband davonfahren. Dann gehe ich durch die piepsende Öffnung, die in diesem Fall nicht piepst, da ich schließlich den Gürtel abgelegt habe. Auf der anderen Seite erwarten mich mehrere Sicherheitsleute und noch ein bisschen weiter hinten… eine uniformierte Dame mit dem Abschmink-Produkt. Diesmal ist es eine andere, mit blondem Kurzhaarschnitt. Wurde mein Produkt etwa von mehreren Personen untersucht? „Madame, ich hab hier ihre Reinigungslotion.“ Lächelnd reicht sie sie mir. „Ich kenne das, das haben Sie aus der Apotheke, oder?“ Ich nicke. „Normalerweise hätte ich es Ihnen abnehmen müssen, aber da ich das auch benutze, hab ich mir gedacht… ziemlich teuer, finden Sie nicht?“ „Es geht. Letztens hat es zwei zum Preis von einem gegeben.“, erzähle ich ihr, leicht erstaunt über ihre Vorgehensweise. „Effizient ist es auf jeden Fall, schauen Sie – ich hab gar keine Pickel mehr!“ Stolz schaut sie erst in die eine, dann in die andere Richtung. Ich nicke anerkennend und packe mein Produkt schnell in den kleinen, grünen Koffer, bevor sie es sich vielleicht doch anders überlegt. Gemeinsam verschwinden wir in den Weiten des leicht überschaubaren Terminals.