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In Linz am Rhein, zwischen Bonn und Koblenz, findet am 14. und 15.Oktober der traditionelle Kunsthandwerkermarkt statt. Und am 14.10.ab 18 Uhr wird Linz noch bunter, denn sie wird ausgeleuchtet: Linz leuchtet.

Viele Veranstaltungen machen das bunte Treiben noch bunter, unter anderem liest Susanna M. Farkas im Café Kitsch aus ihren Büchern. Ein Besuch lohnt sich!

 

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Fantasy? Fantasy!

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Fiona - Entscheidungen (Band 2)


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Schatz in der Kiste: Der Weihnachtsfuchs

Der Fuchs schlug seine Augen auf. Wie immer sah er die weiße Decke über sich, teils gräulich und abgenutzt, mit einigen Unebenheiten und Strichen geschmückt. „Du wirst nicht eines Tages aufwachen und Anwalt sein, oder mit einer reichen Geschäftsfrau verheiratet.“, hörte er Francks Stimme in Gedanken. Er hatte das doch nicht wirklich gesagt? Nicht schon wieder, zum hundertsten Mal. Recht hatte er damit natürlich. Nach all den Jahren, in denen der Fuchs jetzt schon in diesem Stockbett aufgewacht war, indem man übrigens viel zu nah an der weißen Decke lag, war ihm das noch nie passiert – aufzuwachen und plötzlich Anwalt zu sein, oder mit einer reichen Geschäftsfrau verheiratet. „Einmal Verbrecher – immer Verbrecher.“, das sagte er auch gern, dieser Franck, der ständig dasselbe, ausgebleichte Poloshirt trug. Blassrosa. Eine Schwuchtelfarbe, hätte der Fuchs früher gesagt – aber sowas sagte man in seinem Alter nicht mehr. In seinem Alter musste man seine Männlichkeit nicht mehr auf diese Art zur Schau stellen, nicht einmal hier. Nach all den Jahren wurde er schließlich von den anderen Männern respektiert. Genau wie Franck, trotz des blassrosa T-Shirts. „Doucement tombe la neige…“ (fr. Leise rieselt der Schnee), sang dieser nun leise, während er durch die Gitterstäbe nach draußen in den Hof schaute. Er sang ziemlich falsch, aber selbst das tat nichts zur Sache, man respektierte ihn einfach, diesen Franck, mit dem kleinen Bäuchlein. Wie so oft hatte er seine behaarten Handrücken in den Hosentaschen vergraben. „Wie soll ich denn weiterschlafen, bei deiner falschen Stimme?“, brummte der Fuchs. Er selbst klang noch leicht heiser, wie immer direkt nach dem Augenaufschlag. „Du könntest auch aufstehen und dir den Schnee anschauen.“, meinte Franck und drehte sich um. Seine Augen glitzerten vor Freude, wie die eines kleinen Schuljungen. Das sollte der Typ sein, der den tabac überfallen hat? Er erinnerte den Fuchs eher an den blonden Jüngling aus der Zahnpasta-Werbung. Zumindest solange man Francks Zähne nicht sah. „Es ist Regen Franck.“, antwortete der Fuchs leicht trotzig und drehte sich mit dem Gesicht zur Wand. „Schwachsinn. Hast du vergessen, dass morgen Weihnachten ist?“ „Nein.“ Die Stimme des Fuchses klang immer noch brummig. „Morgen ist Weihnachten.“, wiederholte sich Franck. Seine Augen glitzerten immer noch, genau wie der Schnee. Der Fuchs konnte das nicht sehen, da er den Kopf weiterhin zur Wand gedreht hielt. Vorstellen konnte er es sich allerdings umso besser. „Ja.“, antwortete er. „Na also – wenn morgen Weihnachten ist, kann es doch nur Schnee sein!“ Der Fuchs schwieg. „Kommst du morgen raus?“, fragte Franck. Ganz schön redselig war der, selbst schon am frühen Morgen. Wobei früh… „Wie spät ist es?“, fragte nun der Fuchs, anstatt eine Antwort zu geben. Er hatte gar keine Lust Weihnachten zu feiern, wusste nicht was tun oder wohin. Das Schlimmste – er wusste nicht wo Ophelie sich aufhielt. Dass sie ihn sehen wollte bezweifelte er natürlich, aber er hätte sie wahrscheinlich trotzdem aufgesucht, allein schon aus Gewohnheit. Vielleicht gar aus Liebe. Das klang besser, auch wenn der Fuchs den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Wort erst vor kurzem kennengelernt hatte. Genauer gesagt, seitdem sie weg war. Das hatte sie ihm auch vorausgesagt, aber woher hätte er denn wissen können…? „Ob du morgen raus kommst, habe ich gefragt.“, wiederholte Franck. Der Fuchs zuckte die Schultern. Was sollte er auch einen ganzen Tag da draußen machen? „Ich normalerweise schon.“, sprach Franck weiter. „Es ist übrigens fast Mittag… dein Frühstück hab ich gegessen, aber du hast nicht besonders hungrig ausgesehen.“ Der Fuchs zuckte wieder die Schultern.
Als er kurze Zeit später das Geräusch der kleinen Öffnung an der Tür vernahm, drehte er sich auf den Bauch, um rücklings die Leiter nach unten zu steigen. „Hoffentlich ist es nicht wieder dieses matschige Püree.“, zischte er Franck zu. „Es geht… so schlimm ist es doch auch wieder nicht.“, meinte dieser lächelnd. Schließlich würde er morgen seine Frau sehen. Der kahlköpfige Wächter schaute kurz durch die Öffnung, durch die er die Teller schob. Matschiges Püree mit blutigem Hackfleisch. Der Fuchs würgte schon, allein beim Anblick. „Also für morgen, Weihnachten…. Sie kommen bis 18 Uhr raus Herr…“ Der Fuchs erschrak, als er seinen Namen hörte. Nicht nur, weil er das seit Jahren nicht mehr getan hatte, denn hier, im Gefängnis war er schließlich der schlaue Fuchs und kein anderer. Nein, vor allem, weil er keine Ahnung hatte, was er draußen anstellen sollte. Einen ganzen Tag lang. Fast hätte er den Teller fallen lassen. Diesen mit seinen zehn Fingern umklammernd, ließ er sich auf einen der beiden Stühle plumpsen.
Erst das Geräusch der sich schließenden Öffnung riss ihn aus seinen Gedanken. Überrascht schaute er zu Franck, der sich seltsamerweise in den hintersten Winkel seines Betts verkrochen hatte. Das letzte Mal, dass der Fuchs ihn so gesehen hatte, hatte er ihn mit 40 Grad Fieber erwischt. „Franck… was ist – isst du nicht? Komm, setz dich und….“ „Hast du nicht gehört, oder was?“, unterbrach ihn der andere verärgert. „Was gehört… was gehört – ja, natürlich hab ich gehört, dass ich rauskomm – ich! Nach der langen Zeit, was soll ich denn jetzt da draußen machen, einen ganzen Tag lang… könntest du…. Vielleicht könnten wir zusammen…“ Wieder unterbrach Franck den stammelnden Fuchs: „Du hast es also nicht gehört. Ich bleib drinnen. Wegen der Schlägerei, ich kann nicht…. Verdammtes Püree, total verkocht und ohne Salz, das schmeckt scheiße.“ „Aber Franck, ich dachte… ich dachte Püree muss man verkochen. Und ich dachte du magst…“ „Scheiße finde ich das Püree! Wie wenn ich Dünnschiss hab, schmeckt dein verdammtes Püree!“ „Wieso denn „mein verdammtes Püree“ – ich hab doch mit dem überhaupt nichts zu tun und außerdem finde ich es auch scheiße, wenn es das ist, was du hören willst.“ „Ich will überhaupt nichts hören. Lass mich in Frieden. Kannst ja meinen Teller auch noch essen, wenn du es plötzlich magst, dieses…. Burgh.“ Mit einem angeekelten Geräusch stellte Franck den Teller am Boden ab und verkroch sich unter seiner Decke. „Aber Franck – wenn du nichts hören willst, heißt das, du wärst gern taub?“ Stille.
Stunden später wälzten sich die beide Insassen von einer Seite auf die andere. Franck schlief zwar, allerdings von Albträumen geplagt. Der Fuchs schaute seit einiger Zeit an die Decke. In der Dunkelheit konnte er die üblichen Unebenheiten nicht ausmachen, was ihn allerdings nicht sonderlich störte. Er war ohnehin viel zu sehr in Gedanken versunken. Ein paar Wärter waren entlassen worden, einige davon durch Neulinge ersetzt. Mit ein wenig Glück hätte derjenige, der ihn am nächsten Morgen abholen würde, keine Ahnung, wie er aussah. Franck und der Fuchs sahen sich außerdem ziemlich ähnlich. Im Gesicht, das ist zu betonen, denn dieses kleine Bäuchlein, das gehörte ganz eindeutig unter Francks ausgebleichten Polo. „Franck.“, zischte der Fuchs. „Franck, wenn der Neue uns nicht beide ganz genau anschaut... Franck? Schläfst du? Ich hab gedacht du willst raus.“
Am nächsten Morgen erschrak Franck kurz, als er plötzlich die weiße Decke so nah an seinem Gesicht sah. Ruckartig versuchte er sich aufzurichten, woraufhin er sofort stöhnend zurück auf die Matratze sank. Er rieb sich die Stirn. Die Idee war also kein Traum gewesen. „Endlich bist du wach.“, ertönte die tadelnde Stimme des Fuchses. Dieser stand vor dem Fenster, schaute durch die Gitterstäbe in den Hof. Seine Hände hatte er in den Hosentaschen vergraben. „Bist du schon in deiner Rolle, oder was?“, fragte Franck mit einem schelmischen Grinsen und drehte sich zur Leiter, um vom Hochbett herunter zu steigen. „Pscht, sei still, sie holen dich gleich. Bleib oben, ich bin sicher der Neue weiß nicht viel mehr, als, dass ich oben schlafe und du diese komischen…“ Der Fuchs drehte sich um und zog die untere Naht des blassrosa Poloshirts, das er übergezogen hatte weg von seinem Bauch. „….diese Polos da trägst.“, beendete er seinen Satz. „Steht dir ja nicht schlecht.“, erwiderte Franck, der trotz Protest des anderen vom Bett heruntergestiegen war. Der Fuchs zog einen Mundwinkel nach unten. „Blödsinn.“ „Und schneit es?“, fragte Franck lächelnd und machte zwei große Schritte auf das Fenster zu. „Es ist Regen, Franck, es ist Regen. Geh zurück auf das Bett, ich hab doch gesagt die kommen gleich.“ Nun tat Franck wie ihm geheißen.
Als er gerade die Decke bis zum Kinn gezogen hatte, vernahm er das vertraute Geräusch der Zellentür. Der neue Wärter öffnete diese. „Es geht los, Herr….“ Der Fuchs hielt weiterhin den Kopf in Richtung Fenster gedreht. Je weniger der Wärter von seinem Gesicht sah, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit entlarvt zu werden. Aufgeregt versuchte Franck ein weiteres Mal sich am Stockbett aufzusetzen. Seine Stirn rammte ein weiteres Mal die Decke. Er stöhnte auf und ließ seinen Kopf zurück aufs Kissen sinken. Der Wärter stellte ein Tablett auf dem Tisch ab. Der Fuchs nahm den Duft von gebratenem Ei wahr, hielt seinen Blick trotzdem weiterhin starr in Richtung Fenster gerichtet. Genau wie letztes Jahr, ein Spiegelei zum Frühstück. Er zeigte den Ansatz eines Lächelns, denn er mochte Spiegelei. Sein Magen knurrte.
Franck war unterdessen vom Bett herunter geklettert und blickte den Wärter erwartungsvoll an. Schweigend legte dieser ihm die Handschellen an. „Frohe Weihnachten, Franck.“, murmelte Franck im Hinausgehen. Es fühlte sich seltsam an, sich selbst Frohe Weihnachten zu wünschen. Aber der Fuchs wusste schließlich, dass er gemeint war. „Genau, frohe Weihnachten.“, sagte dann auch der Wärter. Erst als der Hall der sich schließenden Tür im Kopf des Fuchses verschwunden war, drehte dieser sich um. „Es ist Schnee, Franck.“, antwortete er. „Schnee.“ Sein Blick streifte den an der Wand hängenden Spiegel, der ihm ein lächelndes Selbstportrait zeigte. Ohne diesen hätte er sein Lächeln gar nicht bemerkt. Franck hatte Recht, blassrosa stand ihm gut.